GRÜNE in Lauffen

Bundesverband Erneuerbare Energie fordert EU-Strategie für nachhaltige Energieversorgung

Der Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) fordert die Europäische Kommission in einem neuen Positionspapier auf, eine Strategie für eine nachhaltige Energieversorgung zu entwickeln. In dem englischsprachigen Papier „EU Energy Security Strategy – Tackling the causes, not just the symptoms“ spricht sich der BEE dafür aus, möglichst bald den Weg zu einem versorgungssicheren Energiesystem zu beschreiben, das die heimischen Erneuerbaren Energien in den Mittelpunkt stellt.

Das Positionspapier steht auf der BEE-Homepage unter „Publikationen“ zum Download bereit und wurde an Abgeordnete des Europaparlaments sowie EU-Kommission, Europäischen Rat und Bundeswirtschaftsministerium verschickt.

Mit dem Papier schafft der BEE einen Gegenentwurf zur Ende Mai von EU-Energiekommissar Günther Oettinger vorgelegten Strategie zur Energieversorgungssicherheit. Diese setzt aus Sicht des deutschen Dachverbandes der Erneuerbaren Energien viel zu stark auf Atomkraft und fossile Energien mit wenig realistischen und umstrittenen Optionen wie Schiefergas und eine Speicherung von Kohlendioxid unter der Erde (CCS).

Auch Maßnahmen wie größere Gasspeicher, eine Verschiebung der Lieferländer oder Notfallpläne kurieren nur kurzfristig an den Symptomen. Wer die Risiken von Lieferengpässen auf Dauer minimieren will, muss auf eine Steigerung der Energieeffizienz und vor allem einen schnelleren Ausbau der Erneuerbaren setzen. Was die sauberen Energien leisten können, zeigen beispielhaft diese Zahlen: Von 2003 bis 2013 ist die Stromproduktion pro Jahr aus Erneuerbaren in der EU von 404 Terawattstunden (TWh) auf 787 TWh gestiegen. Dieser Anstieg von 383 TWh entspricht der gesamten jährlichen Stromerzeugung aus Erdgas.

Erneuerbare Energien schaffen Wertschöpfung in Europa, während Erdgas, Öl und Uran zum weit überwiegenden Teil importiert werden müssen – teilweise aus politisch unsicheren Staaten. Besonders große Potenziale, fossile Energien zu ersetzen, haben Erneuerbare und Effizienzsteigerung in der Wärmeversorgung.

Deshalb spricht sich der BEE dafür aus, auf europäischer Ebene für jeden EU-Staat verbindliche, ehrgeizige Mindestziele für den Ausbau der Erneuerbaren Energien und eine Verbesserung der Energieeffizienz festzulegen. Mitgliedsstaaten, deren Energieversorgung besonders gefährdet ist, sollten eine Mitfinanzierung beim Umbau ihres Systems erhalten. Diese Investitionen in Innovation und Infrastruktur könnten von der Europäischen Investitionsbank, der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung sowie aus EU-Strukturfonds und EU-Programmen für Erneuerbare Energie und Energieeffizienz mitfinanziert werden.

Als Dachverband der Erneuerbare-Energien-Branche in Deutschland bündelt der BEE die Interessen von 29 Verbänden und Organisationen mit 30 000 Einzelmitgliedern, darunter mehr als 5 000 Unternehmen. Wir vertreten auf diese Weise 371 400 Arbeitsplätze und mehr als 3 Millionen Kraftwerksbetreiber. Unser Ziel: 100 Prozent Erneuerbare Energie in den Bereichen Strom, Wärme und Verkehr. 

Bundesverband Erneuerbare Energie: So schafft Oettinger keine sichere Energieversorgung

Die Europäische Kommission vergibt die große Chance, die Energieversorgung der EU in Richtung mehr Versorgungssicherheit und Nachhaltigkeit zu bringen. Das kritisiert der Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) anlässlich der heutigen Vorstellung der Strategie zur Energieversorgungssicherheit durch EU-Energiekommissar Günther Oettinger. „Die Vorschläge beschränken sich auf die Absicherung der bestehenden fossilen Versorgung. Herr Oettinger macht den konventionellen Energieerzeugern ein Abschiedsgeschenk. Zukunftsweisende Ideen hat er dagegen nicht“, sagt BEE-Geschäftsführer Dr. Hermann Falk.


Wenn die EU-Kommission das Ziel des Europäischen Rates erreichen wollte, unsere Energieversorgung unempfindlicher gegen Lieferengpässe und unabhängiger von Rohstoffimporten aus politisch unzuverlässigen Staaten zu machen, müsste sie viel stärker auf Erneuerbare Energien und eine Steigerung der Energieeffizienz setzen, fordert Falk. Es sei schon bemerkenswert, dass Oettinger in seinem ausführlichen Pressestatement die Erneuerbaren mit keinem Wort erwähnt habe.

Stattdessen unterstütze Oettinger die Nutzung des umweltschädlichen und nicht nachhaltigen Schiefergases, die weitere Verfeuerung von Kohle und die teure und gefährliche Atomkraft. „Die Atomenergie als Lösung für das Problem der Versorgungssicherheit darzustellen, ist eine unglaubliche Verzerrung der Wirklichkeit“, sagt Falk. Beim Roh-Uran liege die Importabhängigkeit der EU bei 98 Prozent. Mehr als 40 Prozent des importierten Urans kämen aus Russland und Kasachstan, fast 13 Prozent aus dem afrikanischen Staat Niger. „Erneuerbare Energien dagegen sind heimische Ressourcen, sie sind Europas Zukunft“, sagt der BEE-Geschäftsführer. „Wir fordern die Abgeordneten des Europäischen Parlaments und die Staats- und Regierungschefs auf, die Strategie zur Energieversorgungssicherheit noch grundlegend zu verändern.“

 

Als Dachverband der Erneuerbare-Energien-Branche in Deutschland bündelt der BEE die Interessen von 29 Verbänden und Organisationen mit 30 000 Einzelmitgliedern, darunter mehr als 5 000 Unternehmen. Wir vertreten auf diese Weise 371 400 Arbeitsplätze und mehr als 3 Millionen Kraftwerksbetreiber. Unser Ziel: 100 Prozent Erneuerbare Energie in den Bereichen Strom, Wärme und Verkehr.

Aktuelle Daten zu regenerativen Energien

12 Fakten über Erneuerbare Energien, die Sie kennen sollten


Am 26. April erinnert der bundesweite Tag der Erneuerbaren Energien an die Nuklearkatastrophe von Tschernobyl im Jahr 1986. Anlässlich des Aktionstages präsentiert der Bundesverband Erneuerbare Energie zwölf Fakten rund um Wind- und Solarenergie, Wasserkraft, Biogas und Geothermie.

28 Prozent 
… unseres Strombedarfs wurden im ersten Quartal 2014 durch Erneuerbare Energien gedeckt. Im Jahr 2013 lag der Anteil im Schnitt bei 25,3 Prozent. 

148 Millionen 
… Tonnen CO2 vermieden Erneuerbare Energien im Jahr 2013. Damit sind sie Klimaschützer Nummer 1.

888
… Energiegenossenschaften gab es im Jahr 2013 in Deutschland. Etwa die Hälfte aller Anlagen zur Stromerzeugung aus regenerativen Quellen befinden sich in Bürgerhand – nämlich bei Privatpersonen und Landwirten. 

378 000 
… Menschen waren im Jahr 2012 bei den Erneuerbaren Energien beschäftigt. 

100 000
… Elektro- und Hybridautos waren im April 2014 zugelassen. Damit wurde diese wichtige Marke erstmals geknackt.

23 645 
… Windenergieanlagen standen Ende 2013 in Deutschland. Damit deckt die Windenergie heute 8,9 Prozent des gesamten Stromverbrauchs und liefert den größten Beitrag zur Stromerzeugung aus Erneuerbaren Energien. 

3,3 Millionen 
… Photovoltaik- und Solarthermieanlagen sind derzeit in Deutschland installiert. Photovoltaikanlagen hatten 2013 einen Anteil von rund 5 Prozent am Gesamtstromverbrauch; Solarthermieanlagen trugen mit rund 6 Mrd. Kilowattstunden rund 1 Prozent zum Wärmebedarf deutscher Haushalte bei.

3547 
… Megawatt gesicherte Leistung stellten die Biogasanlagen in Deutschland 2013 zur Verfügung. Ausgestattet mit Gasspeichern oder bei Einspeisung in das Erdgasnetz könnten sie sogar mehr als sechs große Braunkohlekraftwerke ersetzen und die Stromversorgung sicherstellen. 

99 Prozent
… des Erdballs sind heißer als 1000 Grad Celsius. Der Wärmestrom, der aus dem Erdinneren aufsteigt, ist unerschöpflich. So strahlt die Erde beispielsweise täglich viermal mehr Energie in den Weltraum ab, als wir Menschen derzeit verbrauchen. 

7500
… Wasserkraftanlagen gibt es heute in Deutschland. Sie erzeugen verlässlich Tag und Nacht Strom – und zwar soviel wie zwei Atomkraftwerke.

8 bis 14 Cent 
… pro Kilowattstunde (kWh) werden je nach Standort und Anlagentyp für eine Photovoltaik-Anlage fällig. Noch günstiger kann der Strom mit 5 bis 11 Cent/kWh durch Onshore-Windkraftanlagen produziert werden. Neue regenerative Kraftwerke sind damit günstiger als neue Kohle- oder Atomkraftwerke. 

93 Prozent 
… der Deutschen halten die Nutzung und den Ausbau der Erneuerbaren Energien laut einer  repräsentativen Emnid-Umfrage vom September 2013 für wichtig  bzw. sehr wichtig.